Pastoralplan der Gemeinde Freital

  1. Einleitung

Unsere Ortskirchgemeinde St. Joachim Freital ist eine von drei Gemeinden innerhalb der Pfarrei Osterzgebirge. In der Diasporasituation von Freital und der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge leben wir unseren Glauben als kleine, vielfältige, engagierte Gemeinschaft. Dieses Pastoralkonzept soll Orientierung für die kommenden Jahre geben, insbesondere vor dem Hintergrund des angekündigten, verringerten Stellenumfangs von Pfarrer und Gemeindereferentin in der Pfarrei.
Es beschreibt die aktuelle Situation, sammelt die Anliegen der Gemeindemitglieder und zeigt Wege auf, wie wir unseren Glauben vor Ort sichtbar und lebendig halten können.

  1. Bestandsaufnahme (IST-Situation)

2.1 Strukturelle Situation

  • Drei Ortskirchgemeinden innerhalb der Pfarrei (Freital, Dippoldiswalde-Glashütte, Zinnwald)
  • angekündigte und zu erwartende Reduktion des Stellenumfangs des Pfarrers und der Gemeindereferentin
  • hohe Bedeutung ehrenamtlichen Engagements (liturgisch, diakonisch, organisatorisch)
  • kirchliche Orte: Kirche, Pfarrhaus, Räume für Gruppenarbeit, Gelände für Begegnung und Feste, Caritas, Hospizdienst, Ökumene Freital-evangelische Gemeinden, Freie Evangelische Gemeinde,

2.2 Pastorales Leben – Was gelingt gut?

  • regelmäßige Eucharistiefeiern und Wort-Gottes-Feiern
  • stabile Kinder- und Jugendarbeit (Ministranten, Jugendgruppe, RKW, Krippenspiel u. a.)
  • engagierte Katechese: Erstkommunion- und Firmvorbereitung
  • Begegnungsangebote für Senioren, Familien, Neuzugezogene
  • gut funktionierende ökumenische Kontakte in Freital
  • diakonisches und gesellschaftliches Engagement (Fairteiler, Hospizdienst, Segensdienste)
  • hohe Identifikation der Gemeinde mit kirchlichen Festen, musikalischen Angeboten und Traditionen

2.3 Herausforderungen

  • Rückgang der Hauptamtlichen und damit geringere zeitliche Präsenz
  • Belastungsgrenzen ehrenamtlich Engagierter
  • großer Sozialraum mit weiten Wegen
  • kleiner werdende und älter werdende Gemeinde
  • Bedarf an Strukturentwicklung und Arbeitsteilung zwischen den Ortskirchgemeinden
  • Erwartung nach weiterhin verlässlichen Gottesdienstzeiten

 

  1. Rückmeldungen der Gemeinde: Pastorale Schwerpunkte

3.1 Wichtige pastorale Schwerpunkte (zusammengefasst aus Befragung)

  1. Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Bindung der jungen Menschen an die Gemeinde
  • Ministrantentreffen -und a, Jugendgruppentreffen, Sternsingeraktion
  • Religiöse Kinderwoche/n, Familienfahrten, Krippenspiel
  • Angebote für junge Musiker (Jugendband, Liederwald)
  • gemeinsames Singen mit Kindern (Liederwald, RKW-Lieder, etc.)
    Ziel: Kinder- und Jugendpastoral als Markenzeichen der Gemeinde erhalten und stärken.

  • 2. Katechese
  • Erstkommunion- und Firmvorbereitung
  • Glaubensthemen, Glaubensvertiefung in Themenabenden, Vorträgen und Gesprächsimpulsen in Gemeinde und Gruppen

  • Beauftragung und Ausbildung für Wort-Gottes-Feiern
    Ziel: Glaubensweitergabe sichern; qualifizierte Laien befähigen.

 

  1. Gottesdienste
  • Gottesdienste erhalten und an personelle Realität anpassen
  • neue Formen und Andachten (Taizé)
  • Kindergottesdienste
  • Segensfeiern, ökumenische Gottesdienste
  • liturgische Dienste stärken (Lektoren, Küster, Kommunionhelfer, Wort-Gottes-Beauftragte)
  • musikalische Vielfalt
    Ziel: Bleibend verlässliche liturgische Grundversorgung; Vielfalt mit Beteiligung der Gemeinde.

  • 4. Gemeinde und Gemeinschaft
  • Begegnung und Gemeinschaft als Kern kirchlichen Lebens
  • zentrale Rolle hauptamtlicher Koordination durch Gemeindereferentin
  • Gemeindegruppen: Seniorenkreis, Meditationskreis, Chor, Yoga-Gruppe, Gartenbrigade, Familien, Kinder und Jugend
  • Gemeindefrühstück, Feste, Besuchsdienste
  • Integration neuer Mitglieder (auch international)
    Ziel: Gemeinschaftskultur stärken; Räume für Begegnung und gegenseitige Unterstützung schaffen.

  • 5. Ökumene
  • gute ökumenische Beziehungen zu Freitaler Kirchgemeinden
  • gemeinsame Gebetswochen, Gottesdienste, Feste
  • enge Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen
    Ziel: Ökumene als Realform gelebten Christseins in der Diaspora vertiefen.
  1. Einbindung ins gesellschaftliche Umfeld
  • Gemeinde sichtbar im sozialen Raum Freitals (Sternsingersegen, Weihnachtsbesuch für Institutionen, z. B. Stadt Freital, Polizei, Altenpflegeheime
  • Fairteiler, Segensfeiern, Hospiz und Trauertreff
  • Pfarrhaus als offener Ort für Beratung und Begegnung
  • internationale Gemeindeprojekte (Ungarnpatenschaft)
    Ziel: Kirche als verlässlicher Akteur im Gemeinwesen.

 

  1. Leitlinien für die kommenden Jahre

Aus den Rückmeldungen ergeben sich folgende Leitlinien:

  1. Nähe ermöglichen — trotz sinkender Hauptamtspräsenz sollen Begegnung, Zugewandtheit und persönliche Ansprechbarkeit im Mittelpunkt stehen.
  2. Vielfalt liturgischer Formen — die Feier des Glaubens bleibt Kern der Gemeinde, erweitert um Laiengeleitete Dienste und alternative Formate.
  3. Förderung des Ehrenamts — Unterstützung, Begleitung und Qualifikation Ehrenamtlicher werden zentrale Zukunftsaufgaben.
  4. Glauben weitergeben — Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen im Glauben wachsen können.
  5. Ökumenische Präsenz — die Diasporasituation stärkt die Bedeutung des ökumenischen Miteinanders.
  6. Diakonische Verantwortung — Kirche zeigt Nähe zu Menschen in Not, Trauer oder Einsamkeit.
  1. Ziele

Als Gemeinde möchten wir die pastorale Zukunft aktiv gestalten. Dazu gehört, angesichts knapper werdender priesterlicher Ressourcen, die Stärkung, Sicherung und Weiterentwicklung hauptamtlicher pastoraler Dienste und Leitungsstrukturen. Eine lebendige Seelsorge in unserer Diaspora-Region Freital – Sächsische Schweiz-Osterzgebirge benötigt klare Verantwortlichkeiten, verlässliche Ansprechpartner und ausreichend finanziell ausgestattete Stellen.

Wir halten es für notwendig, dass der Anteil an Gemeindereferenten und anderen hauptamtlichen pastoralen Diensten erhalten oder sogar erhöht wird, insbesondere weil künftig weniger Priester im Pfarreieinsatz sein werden. Hauptamtliche Mitarbeiter, wie unsere Gemeindereferentin übernehmen bereits jetzt wesentliche Aufgaben der Koordination, Begleitung und Vernetzung – und werden künftig für die Qualitätssicherung von Pastoral in der Fläche unverzichtbar.

Die zukünftige pastoral-strukturelle Entwicklung sollte daher Leitungsmodelle fördern, in denen Gemeindereferent und andere qualifizierte Hauptamtliche mit klar definierten Verantwortungen ausgestattet werden und die notwendige finanzielle, personelle und organisatorische Unterstützung erhalten, um diese Aufgaben umfassend wahrnehmen zu können.

5.1 Kurzfristige Ziele (1 Jahr)

  • stabile Gottesdienstplanung trotz personeller Reduktion
  • Treffen für Wort-Gottes-Beauftragte
  • Sicherung der Kinder- und Jugendgruppen
  • Willkommenskultur stärken (begrüßen, begleiten, integrieren)

5.2 Mittelfristige Ziele (2–3 Jahre)

  • Ausbau von Familiengottesdiensten und Segensformaten
  • Qualifizierungsprogramm für Ehrenamtliche (liturgisch, organisatorisch, sozial)
  • Weiterentwicklung der Ökumene: regelmäßige ökumenische Begegnungsformate
  • Stärkung der sozialen Präsenz der Gemeinde im Stadtgebiet Freital

5.3 Langfristige Ziele (-5 Jahre)

  • Aufbau und die Stärkung eines professionellen Leitungsteams in der Pfarrei
  • Möglichst Sicherung und ggf. Ausbau von Stellenanteilen für Gemeindereferenten in der Pfarrei
  • Ausstattung mit genügend Zeit, Budget und Unterstützung
  • Verankerung von Ehrenamtskoordination als dauerhafte Aufgabe
  • stabile Strukturen laiengeleiteter Liturgie
  • Selbsttragende Gemeinschaftsformen in Gruppen & Kreisen
  • nachhaltige Kinder- und Jugendpastoral trotz personeller Schwankungen
  • Profil der Gemeinde als diakonisch-engagierte und gastfreundliche Kirche in der Diaspora

 

  1. Die Rolle der Ehrenamtlichen

Ehrenamtliche tragen die Gemeinde wesentlich.
Zentrale Aufgabenfelder:

  • liturgische Dienste (inkl. Wort-Gottes-Feiern)
  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Besuchsdienst, soziale Hilfen
  • Organisation von Festen und Begegnungen
  • Pflege der Anlagen und Gebäude
  • Mitarbeit in Gremien und Entscheidungsgremien

Es braucht:

  • klare Aufgabenbeschreibungen
  • regelmäßige Begleitung
  • Qualifizierungsangebote
  • Anerkennungskultur
  1. Die Rolle der Hauptamtlichen

Bei reduzierten Stellenanteilen verschiebt sich der Fokus:

  • Pfarrer: Sakramente, geistliche Leitung, Begleitung Ehrenamtlicher, Koordination
  • Gemeindereferentin: Kinder- und Familienpastoral, Katechese, Gemeinschaftskultur, Ehrenamtsbegleitung
  • Konzentration auf Schlüsselaufgaben, Delegation weiterer Aufgaben an Teams
  1. Kirche in der Diaspora

Die Diaspora ist Herausforderung und Chance zugleich:

  • kleine, überschaubare Gemeinschaften
  • hohe Identifikation
  • ökumenische Offenheit
  • Notwendigkeit kreativer Formen
  • missionarische Präsenz im Alltag
  • Zusammenarbeit mit kommunalen, sozialen und kulturellen Akteuren

Ziel ist eine sichtbare, offene, zugewandte Gemeinde in Freital zu stärken, die auch als Minderheit glaubwürdig und lebensnah wirkt. Diese Struktur dient auch dem Ziel, eine verlässliche Präsenz der Kirche im Alltag sicherzustellen – unabhängig von der Anzahl der Priester.

 

  1. Evaluation & Fortschreibung

Das Konzept wird alle drei Jahre im OKR und gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen überprüft.
Orientierungsfragen:

  • Was trägt?
  • Was kann beendet werden?
  • Wo entstehen neue Chancen?
  • Welche Ressourcen sind vorhanden?